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Den eigenen Tod planen – mit einer App? 5 Apps fürs Lebensende

Apps zum Tod planen: gute Sache oder geschmackloses Technik-Gadget? Welche Apps gibt es und was können sie uns bieten? Wir machen den App-Test!

1. LastApp: Der Allrounder aus Österreich

Die in Österreich entwickelte App wirbt damit, die erste App zu sein, "die dir nichts bringt aber deiner Familie". Getreu dieses Mottos lässt LastApp seine User ihren Tod minutiös durchplanen. Egal ob letzte Worte, versteckte Passwörter, zu stornierende Verträge, Verweis auf ein bestehendes Testament, besondere Wünsche für die Bestattung (samt Einladungsliste) oder letzte Bilder und Videos –  die App ist ein rundum nützliches Tool für Selbstplaner.

Das System der App ist dabei ganz simpel und bewährt: User entscheiden zu Lebzeiten, wer die in der App hinterlegten Aufzeichnungen erhalten soll. Diese selbst ausgewählten, nach Wunsch auch mehrere "Paten" müssen dann den Tod des Verstorbenen bestätigen, damit die App zu arbeiten beginnt.

Fazit: Die App hält ihr Werbeversprechen und bietet uns eine einfache und intuitiv zu nutzende Möglichkeit, unseren Angehörigen nicht nur eine Menge Arbeit im Vorhinein abzunehmen, sondern auch nach unserem Ableben Botschaften an unsere Liebsten zu versenden. Einziges Manko: Bilder und Videos kosten extra, der Preis ist mit 1,99 Euro für 10 Bilder oder ein Video aber noch akzeptabel, zumal die App sonst kostenlos nutzbar ist.

2. My Afterwords: Die schlichte und stilvolle Variante

Wer wirklich nur ein paar letzte Worte für seine Mitmenschen hinterlassen möchte, dürfte an dieser App seine Freude haben. Ähnlich wie LastApp bietet auch My Afterwords die Möglichkeit sogenannte "Informer" auszuwählen, die den Tod bestätigen.

Dabei ist die App optisch schicker und nutzerfreundlicher als ihr österreichischer Konkurrent, dafür in puncto Pricing aber auch teuer: Eine letzte Nachricht mit 1.5000 Zeichen ist kostenlos, drei Nachrichten mit jeweils 15.000 Zeichen kosten drei Dollar pro Monat und sechs Nachrichten mit jeweils 15.000 Zeichen 36 Dollar pro Monat.

Fazit: My Afterwords ist die perfekte Alternative für User, die sich aufs Wichtigste beschränken wollen. Leider ist die aus Singapur stammende App nur in englischer Sprache verfügbar.

3. ForKeeps: Trauernetzwerk mit Lebensbezug

ForKeeps ist eine ambitionierte und vielseitige App, die uns neben dem bereits von LastApp und My Afterwords bekannten Paten-Prinzip, letzten Worten, Bildern, Videos und als Alleinstellungsmerkmal sogar Sprachnachrichten auch eine allgemeine Plattform für unsere Erinnerungen bieten will.

Denn egal ob Hochzeit, Kindesgeburt, Gedenkfeier oder Todestag: ForKeeps will den ganzen Lebenskreislauf abbilden. Trotz der interessanten Stoßrichtung offenbart die App aber Mängel in der Nutzerfreundlichkeit, ist nicht selten unübersichtlich und frustrierend zu steuern und erklärt sehr wenig. Die Basics wie letzte Worte und Bilder sind hier kostenlos, aber pro Fotoalbum für andere Anlässe verlangt die App bereits 4,99 Dollar.

Fazit: Trotz der genannten Schwächen könnte ForKeeps eine interessante Option für größere Familien oder Freundeskreise darstellen, die alle ihre Erinnerungen an wichtige Lebensereignisse und Verstorbene an einem digitalen Ort gebündelt haben möchten. Vorsicht: Auch diese App ist bislang nur auf Englisch nutzbar.

4. Beistand im Todesfall: Planungstool für Angehörige

Medizinisches Personal verständigen, Angehörige kontaktieren, Unterlagen suchen, Wohnung sichern und im Büro bescheidgeben, Krankenkasse und Versicherung informieren, Sterbefall beim Standesamt melden und Sterbeurkunde ausstellen lassen, Bestattung planen und schließlich das Testament beim Nachlassgericht einreichen – die To-do-Liste nach einem Todesfall in Familie oder Freundeskreis kann schnell eine schwindelerregende Länge annehmen.

Und das obwohl der Fokus dann doch auf Trauern und Verarbeiten liegen sollte. Diese App macht es leichter mit Ordnung und Struktur an die Sache heranzugehen. Der Entwickler der kostenlosen App hatte selbst einen Todesfall in der Familie und hat die App für seine Verwandten entwickelt, weil er ihnen nicht persönlich Beistand leisten konnte.

Fazit: Übersichtlich und hilfreich gestaltete, preisgekrönte App, die neben eine To-do-Liste auch Bestatter und Trauerredner listet, Kündigungsvorlagen bereitstellt und die Möglichkeit gibt, mithilfe von Mail-Vorlage Social-Media-Accounts der verstorbenen zu kündigen.

5. Der letzte Tag: Der Todestagplaner, der dich über dein Leben nachdenken lässt

Ausschlafen oder jede einzelne Sekunde erleben? Spiegelei, Mettbrötchen oder Smoothie-Bowl? Jogginghose, Anzug, Sommerkleid? Party-Urlaub im Südseeparadies oder ein letztes mal Familienurlaub in eurer Ferienwohnung? Bei den Großeltern anrufen oder Spenden sammeln für den guten Zweck?

Die von der gemeinnützigen Körber-Stiftung ins Leben gerufene Web-App lässt dich mithilfe von 14 verschiedenen Fragen deinen letzten Tag planen – und die letzten Tage und Worte (von "Lösch meinen Browserverlauf" bis "Ich liebe dich" findet man dort einfach alles) anderer User betrachten.

Fazit: Diese App zeigt uns, dass aktive Auseinandersetzung mit dem Tod letztlich auch immer eine Auseinandersetzung mit uns selbst ist. Vielleicht wird uns erst, wenn wir unseren letzten Tag planen, klar, wer wir eigentlich wirklich sind und was wir wirklich wollen.

Den eigenen Tod mit einer App planen, ja oder nein?

Auch wenn es nach Floskel klingt: Letzten Endes muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er den eigenen Tod lieber mit einer App, via Messenger oder klassisch handschriftlich plant. Klar ist: Wer seinen Tod selbstständig plant, kann seinen Liebsten im besten Fall schon im Vorhinein einiges an Arbeit abnehmen, damit diese sich dann ganz aufs Trauern selbst konzentrieren können.

Wichtig: Wer seinen Tod mit einer App plant, gibt seine Daten in der Regel in die Hände privater Konzerne. Diese können wiederum kaum zu 100 % garantieren, auch in 50 Jahren noch zugegen zu sein – so finden sich durchaus Berichte über Angehörige, die Todesnachrichten eines Verstorbenen nicht mehr erhielten, weil das jeweilige Unternehmen seinen Dienst eingestellt hatte. Dementsprechend ist es besonders wichtig, sich intensiv mit den einzelnen Anbietern auseinanderzusetzen und zu prüfen, wie seriös sie sind. 

Papierblätter als Symbolbild für Rechtliches.
Papierblätter als Symbolbild für Rechtliches.

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Marco Fetke

Marco Fetke

Student. Erkundet hier die Schnittstelle zwischen Tod und Digitalisierung.